*NEU * NEU * NEU

So, lange nichts mehr geschehen. Geocities hat ganz heimlich seinen Dienst quittiert (auch schon länger her) und ähnlich heimlich und leise ist das Strafraumpogo auch eingeschlafen. Dafür aber jetzt mit neuem Blog und neuem Zine wieder eine Teilaktivität.
Blog ist:
http://alleinerthreat.blogsport.de/

Email ist immer noch die alte, also gerne kontaktieren.

cartridge + GASLIGHT ANTHEM + fotos

Schon ewig nicht mehr im Forum zu Bielefeld gewesen. Eigentlich ein sehr netter Laden, auch wenn ich die Konzerte in der großen Halle nicht sonderlich mag. Hohe Bühnen und Saal-Atmosphäre sind nicht mein Ding. Aber egal. Visionsparty und Gaslight Anthem haben sich angekündigt. Zuvor hieß es allerdings erst cartridge zu ertragen. Langweiliger Indiepop, etwas rumgespiele mit Elektronik und am Ende ein Schützenfest-Beat, der mich erschaudern ließ. Selten eine so schlechte Band gesehen, zumindest live völlig für in die Tonne zu kloppen. Will auch gar nicht weiter drauf rum hauen, denn dann kamen Gaslight Anthem auf die Bühne. Noch schnell ein alkoholfreies Bier - Fahrerdienste angeboten, mist - geholt und dann nach vorne. Einige Pre-Pubetierende Mädchen, die eigentlich für Fotos gekommen waren, verdrückten sich dann doch lieber an den Seitenrand, denn knapp 10 Leute feierten ausgelassen Gaslight Anthem. Von Anfang an nur Hits, was natürlich einfach ist für eine Band, die nur Hits hat. I'da called you Woody, Joe schon ziemlich zu Beginn, der großartigerweise mit den ersten Zeilen von "Stand by me" angestimmt wurde, dann die Songs der neuen Doppelsingle (in Deutschland als 10"), zwei neue Songs und vieles von der großartigen "Sink or Swim" LP, leider ohne "1930". Dafür aber unter lauten Zugabe rufen ein Comeback auf die Bühne. Dort noch mal drei Songs, unter anderem noch mal "Say I Won't (Recognize)" von der Doppel-Single. Danach war wieder Ruhe und eigentlich sollte wohl schon die Musik im Saal einsetzen und das feiernde Pack von der Bühne wegziehen, doch Hartnäckigkeit wurde belohnt und auch "I could'a been a contender" wurde noch mal bestens abgefeiert. Danach die Ansage, dass war wirklich der letzte Song und den Großteil der Menschen zog es ins Freie. Fotos interessierten dann im Anschluss hauptsächlich ein sehr studentisches und sehr junges, weibliches Publikum, zum Teil mit Eltern. Etwas abseits schauten wir uns auch die Band an, quatschten aber mehr, denn dieser deutsch-sprachige Indierock holt doch niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Laut Aussagen der Mitreisenden, die sich Gaslight Anthem schon von weiter hinten angesehen haben, war es bei Fotos wesentlich leerer. Mir aber auch egal, ich hatte meine Band gesehen und konnte glücklich nach Hause fahren.
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2Lhud + Over The Top + Un_Bar - 25.4. in Clarholz

2Lhud + Over The Top + Un_Bar

By: Sergé Bailmann aus Clarholz

In Ermangelung an einem Motto und um dem Kind ein Namen zu nehmen, fand im April 2008 erstmalig ein Strafraumpogo-Festival statt, dazu noch zum 12 jährigen Geburtstag der ostwestfälischen Postille. Einige Prominenz hatte sich angesagt, einige Freundinnen und Freunde. Als Bands sollten die Kölner 2Lhud, Over the Top aus Münster und Un_Bar aus Herzebrock-Clarholz spielen, das Ganze im entlegenen Clarholz, im Gasthaus Muck.
Das erste Auto war schon überpünktlich da und schon weit vor eigentlichem Beginn qualmte der Grill, die Tofu- und Bratwürstchen brutzelten auf den metallischen Stäben, der von Mutter liebevoll zubereitete Salat wartete im Backstageraum auf hungrige Mäuler und das Bier floss schon die durch ersten durstigen Kehlen, die sich beim Kicken auf dem Parkplatz eine leichte Vertrocknung zu gezogen hatten. Nahezu idyllisch, diese Provinz.

„Ab jetzt stimmt dieser Text nicht mehr,
weil die Wahrheit anders ist,
weil sie tierisch langweilig wird“
[Dackeblut]

Als es halb zehn wurde, waberte der Mob in das Hinterhaus der Gaststätte, wo die erste Band sich auf gemacht hatten, die Instrumente in die Hand zu nehmen. Doch aufgrund von Krankheit kam es dazu leider nicht und die Band musste den Gig absagen. Die ersten Leute schwangen ihre Tanzbeine zu selbstgesungenen Liedern, fuhr vor der Kneipe ein Polizeiwagen des Dorfsheriffs vorbei. Dieser hatte unlängst mit nervigen Routinekontrollen, Platzverweisen und ähnlichen Lappalien den Ärger der anwesenden Punks provoziert. Jetzt war die Gelegenheit, zurückzuschlagen. Ohne lange zu Zögern wurde der Wagen von einem Mob von fünfzig Leuten entglast und die beiden fassungslosen Polizisten entkleidet, mit Bier übergossen und ins Dorf zurück geschickt. Das tanzende Volk störte das wenig. Der Zapfhahn glühte, Friedenspfeifen wurden herumgereicht und die eine oder andere Zielgerade wurde auf der Damentoilette zu sich genommen. Die spontane Feiereinlage mit den selbstgesungenen Songs wusste zu begeistern, einige Leute sangen die Songs laut mit und der Ausfall von Un_Bar war nicht sonderlich wild.
Das sollte sich aber ändern. Plötzlich tauchten zwei Wannen von der Staatsmacht auf. Schnell wurde klar, dass sie die Auslieferung der Schuldigen für das Teern und Federn forderten und dazu auch versuchen würden, den Laden zu stürmen. Einige der ausgelassen Feiernden verzogen ihre Mienen. Die Kapuzen von Pullis wurden tiefer ins Gesicht gezogen, SV Meppen und FC St. Pauli Schals in die Gesichter gezogen und auch ich entschloss mich, Kasse Kasse sein zu lassen und mit meinem Athletic Bilbao Schal vermummt auf der Straße nachzusehen, was es dort gibt. Den beiden Wannen wurde gleich ein feuriger Empfang bereitet. Zwei Cocktails flogen unter die Bullenbullis und entfachten wahre Freudentänze bei der Polizei. Knapp zehn voll ausgerüstete Polizisten/innen sprangen aus ihren Wägen. Ein lauter Knall schleuderte die jeweils langsamsten einige Meter über die angrenzenden Äcker. Die beiden Wannen waren Geschichte, die Einsatzleitung kopflos. Einige Knüppel wurden gezogen, doch der Mob war schneller. Mit alten Holzlatten, Zwillen mit Grillkohle und puren Fäusten wurde die Schlacht gewonnen. Acht entkleidete Polizisten wurden mit Bier überschüttet, während die weiblichen Polizistinnen enthelmt und ihrer Haarpracht entledigt wurden. Danach bekamen sie Arschtritte und humpelten und schlurften zurück in Richtung Ortskern Clarholz.
Für die ausgelassen Feiernden ging es wieder rein, die Haare wurden als Trophäen an den Tresen genagelt, die Verletzten wurden versorgt, was mit Bier und einigen Pflastern geschah, und es ging wieder zurück in das Hinterhaus, wo nun Over The Top spielen sollten. Waren sie zuvor noch in erster Reihe bei den Kämpfen, gaben sie nun richtig Gas. Eine Konfetti-Trash-Masken-Hardcore-Show, wie sie Ostwestfalen noch nicht gesehen hatte. Zettel mit Bandnamen wurden während „I hate your band“ zerrissen, Lincoln Hawk wurde gehuldigt, ebenso wie Hanzo The Razor. Konfetti flog, die Band rockte den Laden zu Mus. Auch der anwesende Tänzer gab alles. Fingerpointing, verrückte Tanzbewegungen und alles freundlich, nett, sympathisch.
Wer dachte, das die Lage friedlich und die Feier einfach weitergehen konnte, hatte alerdings die Rechnung ohne die Bullen gemacht. Zwei Zivilbullen hatten sich unter die Zuschauer gewagt und wurden sofort von den Einheimischen enttarnt, als einer der Zivis seinen Photoapparat zuckte. Unter den Klängen von „Tanz ab!“, welches eigentlich nervenden Hardcore-Bollos gewidmet ist, wurden die Zivibullen, wovon einer zur Tarnung auch Hardcore-Tanzschritte einübte und die Windmühle „tanzte“, aus dem Saal gekickt. Dem Windmühlen-Typ wurden dabei beide Arme gebrochen und mehrfach in den Schritt getreten. Die Photokamera des anderen wurde zertrampelt, der Speicherchip die Toilette herunter gespült und dem Typen die Kontaktlinsen zertreten.
Draußen angekommen, empfing eine halbe Hundertschaft ihre arg gebeutelten Kameraden. Ignorierend wurden die Beamten draußen stehen gelassen, der Laden von einem Haufen Punks mit schlechtem Musikgeschmack, die Over The Top nicht sehen wollten, bewacht, während der Rest wieder rein ging. Denn Over The Top waren noch nicht fertig. Eine Coverversion von Accerolas „Sex und Arbeit“ folgte noch.
Danach stapften die Gäste nach Frischluft lechzend aus den fünfzig Zentimeter Konfetti, die überall auf dem Boden verteilt waren. Draußen angekommen trafen sie auf eben besagte Bullen. Knapp fünfhundert Punker, Anarchisten/innen, Hardcore-Boys’N’Girls standen hundert Staatsverteidigern/innen entgegen.
2Lhud, bei den ersten Kämpfen immer an vorderster Front, zogen sich fast unmerklich zurück, bauten ihr Equipment auf dem Parkplatz auf. Innen würden sie die Leute kaum binden können, zudem eh alles voll Konfetti war. Während der Einsatzleiter nach Verstärkung bettelte und ein Hubschrauber aus Richtung Bielefeld kam, ebenso wie weitere Bullenwannen über die Bundesstraße, begannen die ersten Rangeleien. Ein riesen Handgemenge entstand. Eine Zwillenschützin zwang den nervig kreisenden Polizeihubschrauber zu einer Notlandung auf einem nahen Feld. Die beiden Pilotinnen konnten sich noch so eben aus dem brennenden Wrack befreien. Dann verschwanden sie in einer Rauchwolke des Hubschraubers und wurden nicht mehr gesehen. Die Zwillenschützin konnte sich nun wieder anderen Aufgaben widmen und bekam dafür ständigen Nachschub mit Grillkohlen, die schon lange nicht mehr nur dem Grillen dienten.
Der Einsatzleiter forderte verzweifelt über Megaphon mit kölscher Mundart die Leute auf, sich zu ergeben. Schallendes Gelächter hallte ihm entgegen. Fäuste wurden geballt. „El pueblo unida“ schrieen einige der Hardcore-Kids und der Anarchisten/innen lautstark. Einige Polizisten/innen gingen schon stiften, liefen in einen nahen Wald und versuchten sich in kleinen güllegetunkten Bächen zu verstecken. Dem Einsatzleiter, scheinbar aus Köln strafversetzt ins nur vermeintlich ruhigere Ostwestfalen, brannten allmählich die Sicherungen durch. „Seid ihr all jeck?“ schrie er über das Feld. Niemand hörte auf ihn.
Dann knallte das Schlagzeug, die Verstärker wurden aufgedreht und 2Lhud begannen mit „Korrupt Colonia“! Die meisten Anwesenden ließen von den Polizisten/innen ab, einige Punks öffneten die Schwitzkästen und viele Bullen atmeten befreit auf. Aus 500 Kehlen schallten die Songs über die Weite der Felder und Wiesen in Clarholz. Einige Anwohner/innen brachten frisch gebackenen Kuchen und Süßigkeiten für die Meute, erfreuten sich an gratis Bier, da die bisherigen Einnahmen sämtliche Unkosten gedeckt hatten. 2Lhud spielten einige neue und viele alte Songs während im Hintergrund die blauen Leuchten für eine eigenartige Beleuchtung des Parkplatzes sorgten. Eine Zwillenschützin entsorgt ein paar Sirenen, die den Sound von 2Lhud nur wenig, dafür aber vor allem zwischen den Songs störten.
Während 2Lhud in der Mitte ihres Sets waren, traf auch die anarcho-hedonistische Front Herzebrocks ein. Sehr überraschend, denn eigentlich hatten sie sich mit den Strafraumpogo-Machern verkracht und eine eigene Partie zu Ehren ihrer neuen Vereinszeitschrift veranstaltet. Durch die weiteren hundert Leute wurde die Partie noch ausgiebiger. Ehemalige Feinde lagen sich in den Armen, schlugen gemeinsam gegen Cops, feierten die Band und tranken Bier und wahlweise alkholfreie und benzinfreie Cocktails.
Als 2Lhud nach etlichen Zugaben die Bühne verließen, hatten sich die Cops wieder formiert. Zwei Panzer der nahen Kaserne aus Augustdorf waren gekommen, um die innere Sicherheit aufrecht zu erhalten. Sie wollten eine letzte Schlacht. Doch die anarcho-hedonistische Front, die bisher wenig Spaß mit der Polizei hatte, schlug alleine die Bullen in die Flucht, zündete die Autos an und widmete sich dann wieder dem Bier trinken. Die beiden Panzer waren eher ausgebrannt, als Innenminister Schäuble einen U-Turn machen kann. Die Soldaten wurden kopfüber an einen Baum gebunden und einige Punker urinierten gegen sie.
Ich zog mich langsam ins Innere, wo zwei Anarchistinnen gerade die Dartpfeile entdeckt hatten und sich nun auf dem Weg zu den Soldaten machten. Ich trank noch ein paar Bierchen, nahm den ein oder anderen Schnaps zu mir und verabredete mit den überglücklichen Machern des Strafraumpogos, einen kleinen Artikel zu schreiben. Dann sattelte ich mein Fahrrad, wischte zwei ausgepowerte Cops von meinem Gepäckträger, verscheuchte einen Soldaten, der sich hinter meinem Fahrrad versteckt hielt und machte mich auf den Heimweg. Ein düsterer, nach Autoreifen riechender Nebel lag über Clarholz an diesem Morgen, als ich meinen geschundenen Körper ins Bett brachte. Ein schöner Abend, dachte ich, als ich die Decke bis zum Hals hoch zog. Wobei, wenn ich ehrlich bin, er hätte ereignisreicher verlaufen können.

„Verdammt noch mal, wann reißt es endlich auf?
Seit drei Stunden hängt er blöde jetzt im Nebel rum!“
[Dackelblut]

Auch wenn es leicht anders war, vielen Dank an alle Beteiligte! War ein schöner Abend, auch wenn die Realität manchmal nicht so aktionsreich wie die Phantasie ist.
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Vom Segeln / Autobot / Fallobstfresser

Sperriger Indiepunk / Songwriter / Deutschpunk - um auch mal nen Untertitel für Reviews zu haben.

Vom Segeln - s/t Demo-TAPE
Nach einer persönlichen Reunion (hatte doch tatsächlich erst die Kassette verschlürt, danach wieder gefunden und nicht mehr gewusst, wo denn das Beiheft sein könnte) innerhalb von 24h kommt jetzt auch mal die Besprechung zu dem Tape. Ach, erstmal ist es schön, mal wieder eine Demo-Kassette zu hören. Muss ewig her sein.
Aufgefallen waren mir die Jungs nach Tipp von Chrischan, denn ihr Video, ein Knetmännchen-Unter-Wasser-Fische-Video, ist so charmant und so geil, dass ich hin und weg war. Ruperts Portal hier mal wieder missbraucht, um eine nette Band anzutexten und via richtiger Email dann das Tape bestellt. Sechs Songs, sperriger, scheppernder Intipop/-punk, wie ich ihn eigentlich nur aus den USA kenne. Irgendwo zwischen alten Tocotronic (hoffentlich werde ich jetzt nicht gesteinigt), Lattekohlertor und der ersten Single von Against Me!. Persönliche, abstrakte Songtexte, die fast heiserwerdend heraus geschrieen werden. Ein Booklet, das liebevoll zusammengenäht und mit allen Texten und schönen Illustrationen (das Wort wollte ich immer schon mal verwenden) vor Herzblut nur so tropft. Dazu Zeilen, die irgendwann einmal sicherlich zitiert werden, in diversen Fanzines, wenn nicht gar in diesem hier :-)
Würde ich Punkte verteilen, würde ich sie alle hierhin geben.

Autobot - Tafeldienst CD
Autobot kommt aus Tübingen und ist Songwriter. Irgendwie ja schon zu erwarten, Studentenstadt (auch auf dem Cover), Süddeutschland ist ja auch wärmer, also mehr Lagerfeuer und so ... aber damit tut man dem guten Autobot wohl dann doch unrecht. Das 18 Song Album hier hat einige ganz, ganz große Songs über das Leben von Menschen zwischen 24 und 30 ... also genau zugeschnitten auf mich. Sowohl habe ich damals Commander Keen gespielt, bin an einigen Endgegnern gescheitert (nicht nur auf Level 4), als auch die erwähnten Fernsehserien aus "die Helden sind tot" sind mir bekannt.
"Mit bissiger Ironie und musikalisch nicht auf die Gitarre beschränkt umreisst Autobot Themen der älter werdenden Jugend und legt den Finger in die Wunden", könnte jetzt die FAZ im Foiitong titeln. Dabei ist der junge Herr wirklich witzig und musikalisch gehen Songs wie "Die Helden sind tot" auch sofort ins Bein (man merkt, v.a. dieser Song hat es mir angetan ... MacGyver, yeah!). Vor allem die intelligenten Verweise (noch so ein Satz aus der FAZ), das versteckte Dissen von Visions und Spex, die Konstruktion von Typen, wie Sören oder "intelligente Pornodarsteller", Metallverweise etc., machen diese CD eigentlich richtig gut. Würde den Typen gerne mal live sehen, aber nicht am Lagerfeuer, da kriege ich immer so einen Hals, wenn so ein voll Honk "mal anfängt auf der Gitarre was zu spielen". Ist sicherlich genau das richtige für ein Festival ... mal sehen ... mal hören

Fallobstfresser - Wieviel denn noch?
Mal eines vorne weg. Sänger Gunnar scheint sehr nett zu sein ... freundlich meine ich, also jetzt nicht "nett ist der kleine Bruder von Scheiße!". Aber an dieser CD gibt es für mich persönlich einiges auszusetzen und zu kritisieren. Aber, Schritt für Schritt.
Fangen wir mit der Musik an. Die Musik ist Deutschpunk, nicht mehr und nicht weniger. Hätte mich mit 14 oder 15 vielleicht begeistert, über zehn Jahre später ist es einfach nicht mehr meine Welt. Dabei ist es, soweit ich das beurteilen kann, spielerisch nicht mal schlecht. Ein wenig alte Popperklopper, ein bisschen Pestpocken und Hausvabot und schon hat man eine weitere D-Punk-Kapelle.
Aufmachungstechnisch ist das dann auch solide. Ein Punker und eine untergehende Welt auf dem Cover, gut gezeichnet. Booklet mit Texten, Stacheldraht und Photos, habe ich auch schon mal schlechter gesehen. Vor allem, dass alle Texte abgedruckt werden, finde ich sehr löblich, denn das erleichtert mir die Beschäftigung mit der Band und ich komme zu dem Punkt, wo die CD wirklich für mich nicht mehr zum Aushalten ist, sorry.
Schon bei den Grüßen fallen mir die von jedem Mitglied erwähnten katholischen zwei Teile der Dreifaltigkeit auf - namentlich Jesus und Gott. Einmal wird Jesus sogar als "mein Ernährer und Versorger" tituliert, heidewitzka ... Fallobstfresser sind also Jesus Freaks. Wusste ich auch noch nicht, dass es das bei Deutschpunkern gibt. Den Unterarm des Sängers ziert gar ein Jesus-Tattoo. Manchmal hilft halt nur beten. Bei den Texten gibt es dann eine sehr kurze und keine kritische Reflexion des Glaubens. Wird in Song 05 (Wieviel denn noch?) noch gegen einen Terroristen gewettert, der "gestorben für sein Land und seine Religion" ist, nachdem er sich eine "Bombe um den Bauch" geschnallt hat, heißt der nächste Song Terrorist und hat den Refrain: "Ich bleib Jesuspunker bis in mein Grab, denn diese Meinung, schaff ich mir niemals ab. Ich bleib Terrorist bis ich verrecke und trotz alldem bleib ich immer auf der Strecke." Auf der einen Seite also der böse Terrorist, der aufgrund seiner Religion mordet und man sich fragt, wie viel denn noch, auf der anderen Seite tituliert man sich selbst als Jesuspunker und auch als "Christenterrorist" (Zitat aus einer Strophe). Vllt. ist das eine verkürzte Interpretation meinerseits, aber mir scheint, als würde hier "gute Religion" / "böse Religion" gespielt. Jesus = gut, andere Prediger = böse. V.a. ja der Islam, der Menschen dazu bringt, sich Bomben um den Bauch zu binden. Vllt. sollte die Band mal textlich die Kreuzzüge aufarbeiten, oder das Dritte Reich, oder mal die Schwulen- und Frauenfeindlichkeit der kathloischen Kirche. Aber wahrscheinlich haben damit die Jesus Freaks nichts zu tun, denn das hatte Jesus ja auch nicht ... hat ja weder KReuzzug, noch 3. Reich erlebt.
Darüber hinaus sind die Reime auch wirklich unter aller Kanone. In einem anderen Song gibt es dann noch den Reim Gott auf Schrott ... das sollte allein schon prosatechnisch und vom künstlerischen Anspruch verboten werden. "Das macht man nicht!", wie meine Freundin treffend anmerkte.
Fast alle Songs haben irgendeinen Jesusbezug, sei es "Pogo Punk für Jesus" (in FoF) oder "Ich bin Christ und kein Faschist" (in Christenpunx ... wobei diese Band sicherlich weit weg vom Faschismus oder so ist, nicht das hier Zweifel daran aufkommen. Nazis sind die Jungs bestimmt nicht, eher Hippies ;-) Oder religiöse Fundamentalisten). Ein anderer Song hat den Refrain "Nun steigst du auf das Haus - breitest die Arme aus - Du willst nicht mehr Leben - willst dir es einfach nehmen - doch einer liebt dich so - wie du wirklich bist - sein Name der ist Jesus - er lässt dich nie im Stich!" ... herrje, vielleicht bin ich über empfindlich, aber so offensichtlich zu missionieren, das geht keinen Meter! Menschen können von mir aus glauben was sie wollen, nur wenn sie anfangen zu predigen, nehme ich mir das Recht heraus, dagegen meinen Standpunkt zu vertreten. Tut mir Leid, die CD werde ich wohl nem Bekannten schenken, der ist auch Jesus Freak und hat früher mal richtig gute Texte und Gedichte geschrieben. Seit er bei den Freaks ist kommt von dem nichts vernünftiges mehr. Aber dafür mag Jesus ihn jetzt ... :-(
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Jupiter Jones + Phoney 14

Hagen ... ach ja, da war doch was. In diesem mir ansonsten nur als Umsteigebahnhof bekannten Ort habe ich mir einst mal in einem naturkundlichen Open Air Museum das Sprunggelenk gebrochen. Schöne Erinnerungen, aber andere Geschichte ...
Wurde also Zeit, das Hagen auf meiner persönlichen Mindmap endlich auch mal positive Attribute zugelost bekommen würde, und so machte sich meine Freundin mit mir im Gepäck auf, ins Jugendzentrum Pelmke zu gondeln. Einige Freunde waren schon ein Stündchen eher aufgebrochen, so dass am Konzertort einige bekannte Gesichter begrüsst werden konnten. Mit einem Malzbier zu wirklich sehr fairen Preisen und einem angenehmen Raum mit guten Sound (würde nahezu von "perfekt" sprechen, nicht zu laut, nicht zu leise, der Gesang passend, alle Instrumente gut zu hören ...) wurde es sich vor der Bühne zu Phoney 14 gemütlich gemacht. Die drei Bochumer machten netten Melodiccore (sagt man das heute überhaupt noch? Oder eher Emo-angehauchten Poppunk), der für mich nach Fat Wreck Rec. Alben aus den Spät-90ern klang. Green Day fiel auch irgendwo als Schlagwort. Also nicht schlecht. Einige Songs, die Sommer-Strand-Mixtape Format hatten, aber auch einige Songs, die mich etwas nervten, weil dann doch schon ein paarmal zu oft gehört oder vllt. doch zu weichgespült. Vielleicht bin ich auf Dauer auch nur zu alt für diese Art von "Punk"?!
Danach folgten Jupiter Jones. Irgendwie verstehe ich nicht ganz, warum diese Band nicht viel, viel mehr von mir gehört wird ... die Musik passt (schneller, deutschsprachiger Punk, der immer wieder durch sehr gute balladenhafte Stücke aufgelockert wird), die persönlichen Texte sind sehr gut, der Gesang ist genau so, wie ich ihn mag (sprich rauh, meodisch und an einigen Passagen richtig kehlig ... mehr Leatherface als irgendeine andere deutsche Band), dazu noch in einigen Passagen mehrstimmig ... hm ... keine Ahnung, dabei ist die "Raum um Raum" ein großartiges Album. Im Gegensatz zu einem Konzert ein paar Jahre zuvor, wo sie mit Muff Potter in einer sehr leeren Alten Weberei in Gütersloh aufgetreten sind, und irgendwie das Feuer nicht überspringen konnte (die Halle war damals nicht einmal zu 30% gefüllt), waren die Menschen in Hagen bereit, hatten Lust und die Band auch. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass eine Band Bock auf ihre eigenen Songs hat. Wenn auch die "Nicht-Singer", die Songs fernab der Mikros mitsingen, wenn die Band alles gibt und das gute Gefühl einfach überspringt. Dabei war Sänger und Gitarrist Nicholas durch Hexenschuss doch etwas beeinträchtigt. Zum Glück geht Hexenschuss nicht auf die Stimme ...
In der guten Stunde, in der Jupiter Jones auf der Bühne standen wurden dann auch fast alle Songs vom neuen Album und viele Songs vom "Raum um Raum" Album gespielt, v.a. "Unter uns Darwinfinken" und "Auf das Leben" vom ersten Album sind wirklich großartig, ebenso "Wir sind ja nicht Metallica" von "Entweder geht die scheussliche Tapete - oder ich" (guter Albumtitel, sehr guter ...). Schön auch, dass die Leute getanzt haben und zwar miteinander ... habe ich in letzter Zeit auch schon anders erleben dürfen. Das Hagener Publikum schien allgemein ein sehr dankbares zu sein, hehe, ein wenig getanzt, kaum dumme Zwischenrufe, Hagen hat wohl das erste Bootcamp NRWs, oder aber mit die nettesten Leute ... die übrigens auch brav nach Zugaben geklatscht haben (wenn mich nicht alles täuscht, wurde nicht mal da dazwischen gerufen ... also, etwas mehr darf man dann aber doch aus sich heraus gehen ... ).
Als Zugabe gab's dann u.a. noch "Jupp" und der Abend war wirklich perfekt. Textlich wohl eine typische Sozialstudie aus der Eifel, aus OWL, aus dem Münsterland oder aus allen anderen fiesen ländlichen Gegenden und ihren Stammtischen.
Schönen Dank, J.J.!
Danach übrigens noch eine super Rückfahrt mit betrunkenen Freunden gehabt, selten so gelacht. "Hirschkuh, das klingt für mich irgendwie Pflaumenbaum!"
Hagen war auf jeden Fall eine Reise wert und die Kindheitserinnerungen wurden jetzt durch ein schönes Konzert erweitert ...

P.S.: Danke nochmals für die Damen am Eingang ... sehr nett, und dann "Reckordt, oh, das ist aber ein schöner Name" ... Danke ...
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Reviews ... Snoerd, Posero, t.e.t.e., Captain Planet, Joey Keithley, Pankerknacker

Snoerd - Zähltage (Kidnap Music / elfenart)
Welch ein Début!? 11 Songs, die sich nach einem Bud Spencer / Tenrence Hill-Intro einreihen, und die kraftvollen, deutschsprachigen Punkrock spielen, der an die Muff Potters und Pascows dieser Welt erinnert. Persönliche Texte umrahmt von druckvoller Musik, die mich auch irgendwie an die ein oder andere No Idea Band denken lässt, nur halt mit deutschen Texten. Die Produktion ist sehr kräftiger und ein eher dunkler klang, der alles andere als überproduziert ist. Sehr fein. Vor allem das kurze "Der Trick" geht gleich beim ersten Hören in die Gehörgänge, direkter Durchschuss ins Tanzbein. Dazu verpackt in Digipack mit 8-seitigem Booklet, dass optisch einiges hermacht. Alles andere als ein Rädchen im System.

Posero - We eat shit CD
Six song-EP from Quezon City, the biggest town in the Philippines and part of the capitalregion around Manila. I could image that if you have to live there, you feel like living in a hellhole or something like that. And if you have to much time, you start a punkband, hehe. The five guys of Posero did so. This CD-EP has six songs, three in Tagalog, which I don't understand, two very personally song about life and how to live it and one coverversion. The coverversion is a great "to laught at Avril L." version of complicated. Great, I laughed a lot. "Uh huh, Uh huh, 'Coz life's like shit you know". "Buloklak" is a great offbeat-punk number with more than one voice and I liek it very much. Very great stuff, just write the guys a notice ... everything is 100% d.i.y.!!!

T.e.t.e. - To end the era - CD
T.e.t.e. is a site-project from chino of Poseros (or the other way round ;-)). They are not into that offbeat punk and they are not into "Avril L.", hehe. T.e.t.e. are playing old school hardcore in a tradition of bands like shutdown, so it's no wonder, that you can find two coverversion of shutdown (united + play it safe") on this record. The lyrics of t.e.t.e. are personal stuff about a hardcore scene, about friendship and family and world-freedom. I'm not that deep into hardcore punk, but it's honest music and a lot of bands in Germany/Western world could learn a lesson from d.i.y. culture and Philippine punk/hardcore. T.e.t.e. remembers me, by the way, a lot of bands on "Horror Biz Records" ...


Captain Planet - Wasser kommt, Wasser geht LP
Ja, ja, der gute alte Planet! War das nicht so eine grenzdebile Comic-Serie, die den vier Elementen fröhnte? Ganz dunkel ist da was. Erde, Wind, Feuer und Wasser. Wasser kommt, Wasser geht, ach ja, Captain Planet, die Band. Da stehe ich im Saturn (wer immer mich da hingestellt hat, bitte abholen!) und stolpere über die Platte. Fairer Kurs, selbst verglichen mit Punkrockplattenläden. Naja, nicht unbedingt ein gutes Zeichen für Punkrockplattenläden. Aber Gewinnmargen müssen stimmen. Oder auch nicht. Aber eine andere Baustelle.
Ich kaufe die Platte, mit ungutem Gefühl dem Unternehmen gegenüber, mit gutem Gefühl der Band gegenüber. Schönes Cover, insgesamt eine sehr feine Gestaltung. Hat Stil, ohne aufdringlich zu wirken. Erinnert an Kindheit, ohne infantil zu sein. 11 Songs mit persönlichen Texten. Musikalisch erinnert mich das an "Der Trick ist zu atmen", wenn sich jemand noch an die erinnert. Also auch Bands wie ... But Alive nicht so unähnlich. "Heute Nacht habe ich die Welt verstanden ... und sie mich", ohne Worte. In der Taz waren sie in den Top3 des Albums des Monat / Jahres. Glaubt man kaum, denn die Band ist sicherlich keine Konsensband. Mitreissend ohne Singalongs. Vor ein paar Jahren hätte man sie vielleicht mit einigen College-Rock-Bands vergleichen dürfen, es Emo betiteln können, bis dieser unsägliche Hype und die Pervertierung von Nerd-Musik zu Pop-Business diese Sparte langfristig gekillt hat. Dennoch, die persönlichen Texte kommen an, die Musik gehört in die Jugendzentren, die besetzten Häuser dieser Welt, als Hauptact, nach den schlechten Lokalheroes, wenn schon alle betrunken sind und nur noch zwanzig, dreißig Leute sich freuen, endlich Captain Planet zu sehen. Intimität nicht zerplatzen lassen, aber vielleicht werde ich auch zu alt ... keine Ahnung, aber das Album hier, ist ein sehr gutes!

Joey Keithley - Ich, Shithead - Mein Leben als Punk - Buch
(Iron Pages Books)
Da ich in letzter Zeit so viele Dinge lesen musste, um mal einen akademischen Titel zu erlangen (*würg*), ist dieses Buch ein wenig untergegangen. Tommy Molotow, selbst eine dt. Punkikone, übersetzte dieses Buch von Mr. D.O.A. Nun ja, jetzt kann ich mit D.O.A. recht wenig anfangen und selbst glorifizierende Bücher sind auch nicht mein Ding. Dennoch, Joey hat sein Herz an der richtigen Stelle, ist engagiert und war und ist Punk geblieben. Sich selbst treu bleiben, eine wichtige Eigenschaft. Das Buch beschreibt auf über 200 Seiten die Lebensgeschichte von D.O.A. und im Grunde von Joey. Die Anfänge als kleine, schimmelige Punkkapelle in der kanadischen Provinz, die ersten Touren. Dabei erzählt Joey nicht nur Fakten, sondern immer wieder kleine, schöne Anekdoten. Angereichert mit vielen Photos und Flyern ist dieses Buch sicherlich für jeden Fan von D.O.A. ein wahres Must-Have, für alle anderen, die einen Eniblick in eine Band und die Geschichte des Punks haben wollen, ist dieses Buch sicherlich auch zu empfehlen. Als musikalische Untermalung empfehle ich ... ach nee, das ist mir jetzt auch zu blöd ... dafür lieber noch nen ödes Smiley :-)

Pankerknacker 17 - Zine
Boah, bist du wieder fett geworden! Dieser Satz, den jede Dame des Hauses ungern hört, wird dem Intellektuellenheft der Unterschichten-Bildungsbourgeoisie allerdings mehr als gerecht. Über 100 Seiten geballte Kompetenz in Sachen feierliche Urlaub (Sardinien, Vietnam), abgefeierter Band (u.a. Dean Dirg, Sex Pistols, Tight Finks, Wir sind Helden), dazu feiertägliche Festivalberichte (Force Attack, Taubertal, Back to the Future) und feierabendliche Lektürestunden samt Kurzgeschichten (u.a. mit Falk Fatal, J. Jochimsen, der großartigen Antje, Investigatives mit Dr. Satori etc. etc.). Zwei Texte von mir sind auch zu bewundern (worüber man sich da wundert, sag ich jetzt mal nicht ...) und wer nicht jetzt diese Scheiß Myspace-Seite ausschaltet und zum Punker-Kiosk rennt, danach zum Plattendealer um sich die Captain Planet zu kaufen und dann noch ins Buchgeschäft und die ISBN-Nr. 978-3-931624-32-3 ordert, dem/der kann ich auch nicht mehr helfen ... AUS!
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    Franie Stubbs - Unhinged / Snoerd / Captain Planet / Posero
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Lesung ... Don Chrischan, Dave Radau & Einmannjan (jeweils Akustik) und Mika

Berlin - Kapitel Eins: EinMannJan, Don Chrischan, Dave, Mika

Cafe Liberacion, halb zehn.
Der Laden ist rappelvoll, circa 120 Leute, und am liebsten hätte ich gleich wieder kert gemacht. Wow, waren die alle wegen Lesung und Songwriter-Musik hier? Nachdem ausführlich nette Leute begrüßt (Cheers noch mal an alle vom Pankerknacker und Partizan Nordkiez) und gekickert wurde, sollte es dann nach ellenlangen Mikroproblemen endlich losgehen. EinMannJan machte das Warm-Up und seine Songs mit deutschen Texten sind wirklich gut. Irgendwie eine konfuse Sozialkritik, der er niederschreibt. Nach zwei oder drei Songs dann der Wechsel. Meine dritte Lesung, und ich muss sagen, selten soviel Spaß gehabt. Irgendwie fange ich an, die Bühne zu genießen. Die beiden Texte (He-Man-Schwert und Burma) kamen beide auch Recht gut an. Danach spielte Dave (Love, Death & Minigolf) auf Akustikgitarre. Leider habe ich nicht so viel von seinem Gig mitbekommen. Die ersten beiden deutschen Songs fand ich auf jeden Fall sehr gut, und v.a. die Songs, in denen seine Freundin ihm ihre Stimme lieh, waren wirklich brilliant. Danach spielte, wenn ich das richtig auf die Reihe bekomme, Daves Freund und dann kam Don Chrischan. Er las ein Kapitel aus seinem demnächst erscheinenden Buch. Große Sache, ganz groß. Meiner Meinung nach das Highlight des Abends. Dann die zweite Runde in ähnlicher Reihenfolge, wobei die Lautstärke in der Kneipe höher wurde und vor allem mein zweiter Text (der erste: Handtaschenfetischist, der zweite Bahnorchester) eigentlich auch noch zu unfertig war, um ihn zu lesen. Naja, man lernt nie aus. Gegen die Hintergrundgeräusche anzukommen wurde für Chrischan dann bei der zweiten Leserunde auch schon schwerer, wobei die Stärke der Texte sich dann doch durchsetzen konnte. EinMannJan spielte dann zwischen den Leserunden immer noch ein paar Songs und Chrischan las ein drittes Kapitel und dann, nach 2 1/2 Stunden war die Show auch zu Ende. Sehr guter Abend, der dann noch bis halb 10 am Morgen andauerte, hat riesig Spaß gemacht. Nette Leute kennengelernt / getroffen, die Bedienung in der Kneipe war auch super nett und ich hoffe, die Sache kann wiederholt werden.
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    Mike Krüger
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Live-Lesung ...

Man möge mir verzeihen ... alles sehr lahm hier und ich nutze auch fast nur noch das myspace profil (www.myspace.com/strafraumpogo) um wenigstens dort aktuell zu bleiben. Wie gesagt, sorry dafür.
Nichtsdestotrotz gibts am Freitag eine Lesung im Berliner Cafe Liberacion (Kinzig Str. 9 - Friedrichshain), u.a. mit Einmannjan, Chrischan, Dave Radau und meiner Wenigkeit.

Eintritt ist frei und ich hoffe, man sieht sich.

Die neue Turbostaat - Review

Wer nennt sein Album schon "vormals leise", als wenn man lauter geworden wäre ..., denke ich, wasche mir den Schlaf aus den Augen und sehe "Vormann Leiss". Ach so! Was das heißt, muss ich nicht wissen. Oder doch?
"Vormann Leiss" heißt also auf jeden Fall das neue Album der Norddeutschen aus Husum / Flensburg und Umgebung. Von Turbostaat ist die Rede. Kleine Enttäuschung, dass nach "Flamingo" und "Schwan" die Vögel-Triologie nicht vollendet wurde, auf der anderen Seite deutete die Haubentaucherwelpen-7" ja schon den Wechsel an. Und dieses Haubentaucherwelpen macht sich auch sehr gut auf der Platte. Meiner Meinung einer der besten Song der Band, darum an dieser Stelle gut angekommen und nochmals passend gewürdigt. Ebenso wie die Single-Auskopplung "Harm Rochel". Musikalisch hat man also die alten Pfade nicht verlassen, ist nicht Muff Potter'esk geworden. Live wird man die Songs nur schwerlich einem Album zu ordnen können. Und das ist gut. Das ist nicht Wiederholung, sondern konstantes vorwärts gehen. Kein Verweilen und hoffentlich auch nicht "am Ende einer Reise" angekommen. Vor allem die Mehrstimmigkeit beim Rfrain auf "Schalenka Hase" deutet vielleicht sogar neue Optionen.
Textlich allerdings waren Turbostaat wohl selten eindeutiger und dennoch weiterhin interpretierbar. "Insel" ist zum Beispiel alles andere als eine Hommage an Husum, und dennoch, eine Huldigung an die Heimat, die ein jeder benennen kann. "Harm Rochel" wurde im Vorfeld schon von einigen Gazetten als Sozialkritik par excelence hervorgehoben. Kritisch ohne Plattitüden, intelligent ohne verkopft. Ich habe auch das Gefühl, dass diesmal mit weniger Worten mehr transportiert werden soll. "Hau ab die Schildkröte" wäre so ein Beispiel, textlich reduziert, vielleicht schon verkopft platt, auf der anderen Seite gefällt mir vor allem dort die Songstruktur. Dagegen würde ich "am ende einer reise" kann ich fast blanko unterschreiben, das mag ich. Bands, die mir aus der Seele sprechen und wohl doch was anderes meinen ... oder nicht?! (Das Review entsteht 8h bevor ich nach Manila aufbreche ...)
"Nach fest kommt an" wäre übrigens auch so ein Ding! "Du sollst mich nicht Roboter nennen!"
Was mir ein wenig fehlt, ist die obligatorische Coverversion, die diesmal auf der B-Seite der "Harm Rochel"-EP "weggesendet wurde" ... Johannes a. D. und Exil diesmal ...
Allerdings, wenn man schon bei "früher war alles ähnlich anders", dann muss man auch noch mal das völlig geniale Artwork hervorheben. Keine Ahnung wie es auf Vinyl aussehen wird, sowohl das Cover, als auch die Stillleben sind sehr schön. Kann man sich im Album-Art weiterentwickeln? Kann man ohne Brüche oder vielleicht mit Soll-Bruchstellen, wie der wiederkehrende Flamingo, in der Aufmachung eines Silberlings eine Entwicklung einer Band erkennen? Sicherlich, die Intro wird es schaffen, ich finde es einfach nur schön ... bitte, bitte, weiter so! Mika

Ach ja, "Vormann Leiss" heißt für mich, "wir können alles - und alles können wir sein" ... wie im Refrain, nur nicht musikalisch unterlegt!
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Reviews

Ein ganzer Schwung neuer Platten, die hier eingetrudelt sind ... dazu das längst verschollene Review des neuen Pankerknackers und mit dem Fang ich auch an:

Fand ich die letzte Postille inhaltlich schon sehr geil, nur etwas dürftig und vor allem zu farblich und der Text von Antje T. ist leider auch nahezu unlesbar gewesen (trotz sehr guter Qualität), kommt das Pankerknacker diesmal wieder old school daher. Zum Glück. Antjes Text wurde auch gleich noch mal abgedruckt, damit alle, die sich nicht die Augen verdorben haben, ihn noch einmal genießen können. Des weiteren gibt es viele Abenteuerberichte, ein großes Punk in Sardinien Special, viele sehr gute Kurzgeschichten (u.a. Antje, Falk Fatal, Klaus N. Frick, Stefano Stiletti, Christopher Parkinson, Abel Gebhardt, Dr. Satori und auch von meiner Wenigkeit) und weitere Intis, u.a. mit Meia über Schreiben und Punkrock im hier und jetzt (außerdem hat er auch eine schöne Kurzgeschichten beigesteuert). Das ganze ist value for money und ein absolutes Muss!

Regina Regenbogen - Demo 2007 MC
Und dann hat mich das 2007er Demo von Regina Regenbogen erreicht! Wow, alle die auf "Surf Nazis Must Die" auch nur ansatzweise standen, sollten sofort zu schlagen. Das Machwerk auf katze.records erschienen und ca. 10 Minuten für 9 Songs lang, bläst alles an die Wand. Ein Headshot jagt dem anderen und wem ich jetzt zu viele Anglizismen verwende, sorry, aber dafür reicht Sprache eh nicht. Old school auf Tape und mit Songs über alle Myspace-Spacken (wo wir ja auch präsent sind ... und die Band auch :-)), die MS-Greenhell-Possie, über "Kein Bock auf Arbeit" (mein Favourite) und am Ende noch einmal Black Flag's Sixpack in einer sehr geilen Version gecovert. Einziges Manko, Texte sind nicht abgedruckt, ansonsten voll Punktzahl (http://www.myspace.com/rainbowcore)

Jingo de Lunch - The independent Years 1987 - 1989 CD
Ebenfalls begeistern kann die "Best off" von Jingo de Lunch aus dem Hause Rookie Records. Hatte ich die Berliner Combo immer für eine Metallrock-Band gehalten (was sie wohl auch später geworden sind), kann diese Zusammenstellung aus den Jahren 1987 - 1989 wirklich begeistern. Erinnert mich an einigen Stellen ganz stark an "The Destillers" (What you see) und anderen guten US-Female-Fronted-Punkbands. Mein Lieblingssong ist und bleibt allerdings der schon vom Punkrock BRD Vol. 1 Sampler bekannte "Did you ever". Hier trifft PunkRock mit treibenden Gitarren auf eine sympathisch tiefe Frauenstimme. Verstehe gar nicht, warum People Like You Records das Ding nicht macht, denn zwischen all den Generators, Revolvers, Social Distortion Bands würde sich das sicherlich passend anbieten. Der Aussage "waren ihrer Zeit vorraus" kann man nur zustimmen. Auf dem Best off sind des Weiteren 3 Coverversionen zu finden, "Pay to Cum" von den Bad Brains, "Cowboy Song" von Thin Lizzy und "Fuck You" von DOA. Auch die Coversongauswahl sagt einiges über die Band. Sehr schön. (http://www.myspace.com/jingodelunch)

Turbostaat - Harm Rochel CD
Eine neue Single haben auch Turbostaat gemacht (s. Konzertbericht weiter unten). Harm Rochel heißt das Teil und kommt auf einem Major. Schiffen Records leider versenkt, also flugs neues Label gegründet und unter der Obhutschaft von Warner Music bringt "same same but different" nun die Turbostaat-Erzeugnisse heraus. Auf der Single ist dann leider auch nur der Titeltrack, der allerdings schon auf das Album neugierig macht. Eingängiger sind sie meiner Meinung nach geworden, textlich eindeutiger. Insgesamt kann der 2:30 Song allerdings nciht mehr als ein Appetithappen auf das neue Album sein ... das kommt Mitte September in die Läden. (http://www.myspace.com/turbostaat)

Gaslight Anthem - Sink or swim LP
Scheiße, scheiße, scheiße ... ist das Album geil! Angepriesen als eine Mischung aus Social Distortion und Against Me (wobei gerade letzterer Vergleich sehr hinkt), ist das genau die Mischung aus Blues und Punk, die ich mag. Darunter Texte wie kleine Gedichte und eine Aufmachung (farbig-gesprenkeltes Vinyl, schönes, schlichtes Textblatt) wie im Märchen ... Kaumempfehlung und wer dennoch nicht sicher ist ... anhören, abgehen, freuen.
http://www.myspace.com/thegaslightanthem
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    Gaslight Anthem, North Lincoln
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